Hook Pull!! Meine Erfahrungen.

 

Heft 6/2010 von Carp Mirror hatte ich Zeit zu lesen, als ich mit meinen Freunden Günter und Roli von Paro Baits über Neujahr in Frankreich am Cassien Fischen war. Da kam ich auf den Bericht von Ken Townley über Hook Pulls und, dass er keine Antwort auf seine Fragen habe.

 

Erstmal möchte ich mich vorstellen. Ich bin 36 Jahre alt, fische seit meinem 8. Lebensjahr und habe das Boliefischen vor etwa 15 Jahren für mich entdeckt. Vor diesen Jahren fischte ich noch mit der altbewährten Kartoffel oder mit Mais. Seit 2006 fische ich für das Carp Team Paro Baits Austria von Pareis Roland, wo ich die Gelegenheit und Möglichkeit hatte mich in die Karpfenszene einzulernen. Bei den Carp Cups machte ich mit meinem Teampartner Horst viele Erfahrungen, warum und wieso wir immer wieder nach guten Beisszeiten Fische fingen und landeten, aber plötzlich einen Fisch nach dem anderen verloren.

 

Gründe dafür gibt es viele, wobei auch hier die Meinungen auseinander gehen. Zu Beachten sind hierbei natürlich auch die Umstände von Wetter, Wasser, Untergrund, wie viel Futter und vor Allem welche Art von Futter angeboten wird.

 

Futter

 

Spielt natürlich eine Rolle, denn Boilies und Nüsse werden von den Karpfen anders aufgenommen als Mehle. Der Fisch saugt mit gross aufgerissenem Maul Boilies und Nüsse ein, spuckt diese auch mehrmals wieder aus, bis er diese verzehrt. Auch werden diese direkt vom Maul oder bis zu 20 cm Entfernung eingesaugt. Sollte aber ein Angelkollege in der Nähe oder auch 200 bis 300 Meter von meinem Angelplatz entfernt sein, auf die Idee kommen mit Futterbälle zu füttern, stellen die Karpfen ihr Fressverhalten völlig um.

 

Die Mehle werden auch bis zu 30 cm Entfernung angesaugt, da das Futter leicht im Wasser schwebt und sich gut vom Grund ablöst. Das hat zur Folge, dass das Maul nicht völlig geöffnet wird und auch nicht so lange offen bleibt wie bei Boilies, da auch hier Schlamm und Laub mitgesaugt wird. Jetzt kommt der Karpfen auf einen Futterplatz mit Boilies, und behält sein Fressverhalten von vorhin bei. Dazu hat er einen zu grossen Abstand zum Köder. Sollte er den Haken am Maul haben, hängt er entweder nur leicht an der Lippe oder gar ausserhalb irgendwo ums Maul. Natürlich kann sich jeder vorstellen, wie lange der Haken sitzt, wenn der Karpfen einige Fluchtversuche hinlegt.

 

Wir hatten dieses Beispiel bei einem Cup in Ungarn, wo unsere Nachbarn am dritten Tag Futterballen fütterten. Danach verloren wir bis zu 15 Fische in Folge. Natürlich versuchten wir Montagen und Köder zu wechseln, aber erst als wir die Köder direkt auf den Hakenschenkel schnallten, konnten wir wieder Fische landen. Als dieses Team aufhörte zu Füttern, konnten wir wieder die Bisse verwerten und unsere Karpfen landen. Wir sagen dazu die „Lippenbeisser“, denn wir fischen immer mit verstellbarem Haar, um sich den Ködern schneller anpassen zu können. An diesen Montagen sieht man eindeutig, wenn wir diese Lippenbeisser am Platz haben, denn da ziehen die Karpfen das Haar aus und die Fische gehen verloren.

 

Wetter

 

Ist auch so eine Sache. Bei gleich bleibenden Verhältnissen ändert sich nicht viel, aber sollte es zu Regnen beginnen, kann das gleiche passieren wie mit Mehlen. Durch den Regen kommt natürliches Futter ins Wasser, desto mehr Regenwasser in den See einfliesst, umso höher wird der Anteil an Futter. Auch die Trübung durch Verschmutzung kann damit zu tun haben, denn damit hatte ich auch schon schlechte Erfahrungen gemacht.

 

Aber wie genau das mit Futter und Verschmutzung zusammenhängt, kann ich hier auch nicht sagen.

 

Wasserqualität

 

Reines Wasser mit wenig Naturfutter ist leichter zu Befischen, als wenn Naturfutter wie Schwebealgen oder rote Mückenlarven in hohen Mengen plötzlich zur Verfügung stehen.

 

Diese Erfahrung mache ich des Öfteren auf den Schlossteichen in Riegersburg. Mückenlarven sind über Nacht geschlüpft, das kann man am Besten erkennen, wenn viele leere Larvenhäute am Rand herumschwimmen. Oder die Mücken in der Luft in extrem hohen Mengen vorkommen. Dann sieht man auch wie sich Schwalben und etliche Singvögel über dem Wasser zur Futtersuche einfinden, da richtige Mückenwolken in der Luft schweben. Auch das sind wieder die Lippenbeisser am Werk, da sie ihr Fressverhalten wieder völlig umgestellt haben.

 

Untergrund

 

Sollte durch starken Wind die Oberfläche etwas rauh werden, verlagert sich der Schmutz, Mulm, am Untergrund. Das kann natürlich den Untergrund stark verändern. Vorher hatte man einen Hot Spot, nach dem Wind aber liegen Sedimente, Mulm oder Schlamm über dem Spot. Im schlimmsten Fall aber auch Schilfreste oder Äste, wobei dann die Vorfächer verhindert werden und die Karpfen nur mehr die Hälfte des Rigs zum Einsaugen zur Verfügung haben.

 

Köder

 

Es kann auch die Ködergrösse ausmachen, ob ein Biss einen Fisch bringt, oder ob man diesen verliert. Grosse Köder fischen und kleine füttern kann auch eines der unzähligen Probleme sein, da kleine Köder leichter eingesaugt werden als grosse. Selbst beim Füttern mit Hanfkörnern oder Kichererbsen kann der Karpfen sein Fressverhalten ändern. Allerdings nur, wenn man zu viel von diesen füttert. Auch Pellets, die sich schnell aufweichen, also ohne Zusatz von Ölen, können bei zu grossem Angebot das Fressverhalten ändern. Es ist zwar nicht ein grober Unterschied beim Fressverhalten von grossen zu kleinen Ködern, aber ich gehe immer zur Sicherheit auf kleine Köder zurück und füttere die grossen.

 

Wassertemperatur ist auch so eine Sache. Steigt oder fällt die Temperatur am Grund, wo unsere Köder präsentiert werden, verändert sich das Fressverhalten binnen Stunden. Natürlich sucht jeder den Fehler bei sich, obwohl man mit seinen Rigs und Ködern nichts verändert hat. Noch dazu, was ein wichtiger Faktor bei allen Punkten beim Karpfenfischen ist, jeder Karpfen hat ein anderes Fressverhalten!

 

Ein Karpfen saugt von Natur aus aus grosser Entfernung seine Nahrung ein, der andere liegt mit seinem Bauch und Rüssel direkt am Untergund. Da eben nicht alle Fische das gleiche Fressverhalten haben, wäre es auch immer ratsam, zwei verschiedene Montagen an einem Spot zu fischen. Danach kann man ja entscheiden, welches Rig erfolgreicher ist, um dieses zu fischen. Auch kann man die Haarlänge in verschiedenen Längen anbieten oder eine Montage mit Baitgummi präsentieren. Auch hier zeigt der Unterschied welches Rig den Erfolg bringt und danach sollte man auswählen.

 

Ein Szenario mit Pellets habe ich diesen Sommer 2010 am oberen Schlossteich in Riegersburg gehabt. Ich habe drei Tage nur mit Boilies gefüttert und konnte schöne Fische bis 17,4 kg fangen. Dann kam ich auf die glorreiche Idee Pellets zu füttern und das aber in hohen Mengen. Die folgenden zwei Tage verlor ich Fisch um Fisch. Ich versuchte die Montagen zu ändern, aber es half nicht sehr viel. Mit den Baitgummi konnte ich zwar vereinzelt Fische landen, aber das war nicht das Selbe wie in den letzten Tagen. Als ich mich entschloss, wieder die Montagen zu Fischen wie in den ersten zwei Tagen, fing ich meine Fische, als ob nichts gewesen wäre.

 

Auch mit Naturfutter ging es mir so 2009. Erfolgreiche vier Tage und dann 48 Stunden keinen Fisch mehr. Mein Freund Lenz hingegen hatte die ersten vier Tage wenige Fische gefangen.

 

Ich fischte am Schilfgürtel, wo der Untergrund hart und nur mit Steinen versehen ist. Und Lenz fischte im Freiwasser, wo nur Schlamm vorkommt. Als die Mückenlarven schlüpften, fing ich keine Fische mehr. Und im Schlamm bei Lenzi liefen die Ruten nur so ab. Nachdem die Schlupfzeit der Zuckis vorbei war, waren seine Bisse wieder rar und ich konnte einen Biss um den anderen verbuchen. Zwar hatten wir, vor allem Lenzi viele Fische verloren, aber ich hatte nur zwei Bisse, da die Karpfen in dem Bereich frassen, wo die Mückenlarven schlüpften.

 

Sicherlich gibt es noch andere Faktoren, warum ein Vollrun nach dem Anheben der Rute keinen Fisch bringt. Ja, beim Anheben der Rute spürt man den Fisch nicht einmal, als ob von Geisterhand die Rolle abläuft. Leider gibt es auch noch immer einige Carphunter, die die Funktion einer Selbsthakmontage nicht verstehen!? Selbst bei Gewichten weit über 100g heben die nicht die Rute an, sondern schlagen mit voller Wucht die Rute in die Höhe, manche davon laufen sogar noch einige Meter zurück?! Und dann meinen sie, der Fisch war schlecht gehakt. In Wirklichkeit haben sie diese brutal geschlitzt und somit verloren. Daher niemals anschlagen, somit kann man schon sehr viele Verluste vermeiden und die Fische werden es euch danken.

 

Auch sollten die Blei so gewählt werden, wie unbedingt nötig. Wenn ich zum Beispiel auf 120 Meter fische, brauche ich kein Blei mit 120g. Da genügen auch 90g um während des Drilles so wenig Belastung wie nur möglich auf den Haken zu bringen. Bei jeder Bewegung, die der Fisch macht, schlägt das Blei hinterher und kann somit einen Fischverlust mit sich bringen. Auch die Ruten werden leider von vielen Fischern falsch ausgewählt. Zum Fischen auf 120 Meter genügen auch 2,75 lbs, höchstens aber 3 lbs. Alles was mehr ist, ist nicht nötig, da auch bei steifen Ruten die Zahl der Fischverluste höher ist.

 

Zum Abschluss noch eine Kleinigkeit, die eine grosse Auswirkung haben kann, ob man einen Fisch landet oder verliert. Bei schlammigen Untergrund, vor allem wo die Wassertiefe sehr gering ist, sollte man beim Auswerfen beachten, dass die Montage nicht mit voller Wucht ins Wasser einschlägt. Warum? Die Montage bohrt sich samt Köder in den Schlamm und die Fische haben es schwerer, die Montage einzusaugen. Somit könnte der Haken nicht perfekt sitzen und man verliert unter Umständen wieder einen Fisch. Dazu kommt auch noch, dass die Bisse viel schneller kommen, da der Köder besser präsentiert wurde. Daher beim Auswerfen darauf achten, dass die Montage, bevor diese am Wasser aufkommt, abgebremst und die Rutenspitze zurückgezogen wird.

 

Dabei kann sich das Vorfach noch strecken und verhindert dazu, dass sich diese verheddert.

 

Danach aber auf keinen Fall die Montage einziehen, nicht einmal einen halben Meter, da das Blei eine Furche zieht und den Köder wieder im Schlamm versenkt.

 

So, jetzt haben die Kritiker wieder allerhand zu meckern, aber das sind Erfahrungen, die ich über die Jahre auch mit Freunden machte und ich lernte auch daraus. Sicherlich gibt es auch noch den ein oder anderen, der noch andere Ursachen oder Meinungen über Hook Pulls hat, aber dann soll er sich hinsetzen und diese mitteilen.

 

Ken Townley und alle anderen Carp-Hunter werden es euch danken.

 

Ich wünsche euch viel Freude mit den gelandeten Fischen!

 

Werner Kienast

 

Austria Carp Team Paro Baits